Bewährtes Konzept in neuem Kleid … deutsche Jagdpanzer zeitgemäß modernisiert
Die Bedrohung Westeuropas zu Beginn der 50er Jahre des letzten Jahrhunderts durch starke sowjetische Panzerverbände bedingte somit Panzerjägereinheiten für die bewegliche Panzerabwehr auf dem Gefechtsfeld. Was lag also näher, als das in Kriegszeiten bewährte Jagdpanzer-Konzept moderner und leistungsfähiger neu zu gestalten.
Innovativ und am Wunschbedarf der Militärmodellbauer orientiert, kreierte „Das Werk“ in Zusammenarbeit mit „Amusing Hobby“ diesen Bausatz des „Jagdpanzer, Kanone 90mm“, landläufig als Kanonenjagdpanzer (KaJaPa) bezeichnet, in nunmehr korrekterer Form zugleich mit allen benötigten Teilen zur Ausgestaltung als Beobachtungspanzer sogar mit abgesetzten Zielortungsgerät TZG-90 (1). Mittlerweile ist nun auch als nächste Überraschung der Raketen-Jagdpanzer (2) Jaguar 1 als Bausatz des gleichen Herstellers auf dem Markt erschienen.
Tipps aus dem Zusammenbau
Die gesamte Wanne des Kanonenjagdpanzers läßt sich im Handumdrehen aus drei Teilen gestalten (3) und nichts muss zuvor innen bzw von innen nach außen angebracht werden. Wer die frühe Version des Fahrzeuges zu gestalten beabsichtigt, ist empfohlen die Senk- und Montagestellen der Halterung für die Eisgreifer (4) aufzufüllen und zu egalisieren. Nach Abschluß der Montage der Fahrwerkteile ist aber dennoch auf die ebenen gleiche Ausrichtung der Laufräder (5) zu achten. Der Grund ist in der Kettenmontage zu finden. Die zutreffend ausgeformte Diehl-Kette „828G“ besteht aus Segmenten und Einzelglieder, die abgezählt und exakt montiert, zusammen passen wie angegossen (6) und aus Gründen der Übersichtlichkeit vor und für die Montage in ein verschließbares Behältnis sortiert (7) werden sollten. Eh man’s gedacht, ist dann deren Montage exquisit vollbracht (8). Ebenso flüssig lassen sich auch alle weiteren Ausgestaltungen vornehmen, wobei sich mit der Verwendung von Akupunkturnadeln, bzw 3D Drucker-Reinigungsnadeln, leicht die Antennen in flexibel bleibender Art darstellen lassen (9). Damit ist der Zusammenbau abgeschlossen.
3
Die Wannen des KaJaPa / BeoPz werden aus (1) Ober- und (2) Unterwanne sowie (3) Heckplatte ruckzuck zusammengefügt und alles paßt
4
Die ersten Ausführungen des KaJaPa hatten noch keine Eis- / Schneegreifer an den Wannenoberseiten, folglich also die Montagevertiefungen verfüllen
5
Insbesondere die Laufrollen sind auf einer Ebene auszurichten, damit später die Kettenglieder exakt ineinanderpassen und ohne Lücke zu hinterlassen, schließen
6
In der Kettenmontage mit dem Treibrad und den Einzelgliedern beginnen, über die Unterseite zum Leitrad und hiernach zurück zum Antriebsrad führen
7
Eine Sortierbox hilft ungemein alle Kettenbauteile nicht nur zu bewahren, sondern auch für die Reihenfolge und Ordnung zu sorgen
8
Eh‘ man sich‘s gedacht, sind beide Kettenstränge gemacht … und alles paßt, lückenlos
9
Die beiden Peitschenantennen sind Akupunktur- bzw Reinigungsnadeln für einen 3D Drucker. Diese Antennen brechen auch bei einer unvorsichtigen Berührung nicht ab
Kolorierung
Die Bauanleitung von „Das Werk“ sieht vier doch recht unterschiedliche Varianten der Kolorierung und Kennzeichnung vor, die offenbar nach Realvorlagen gestaltet wurden. Für einen früheren. Kanonenjagdpanzer in Gelboliv überalles ist nur jene RAL 6014 (spät) anwendbar, die in zwei Ansätzen nacheinander aufgebracht wurde (10). Fahrwerksbereich mit Ketten in grauschwarz und Laufräder sowie Zwischenräume dezent in gelboliv übersprayt. Danach abdecken und das Modell überalles kolorieren. Hierzu bietet sich eine selbstgebaute Halterung an, bei der das Modell mittels Klebepads auf der Wannenunterseite fixiert wird (11). Hiernach können die zuvor getrennt lackierten Werk- und Schanzzeuge am Fahrzeug montiert werden.
Anders verhält es sich bei der Gestaltung des Beobachtungspanzers, der das neue Farbkleid des Flecktarnanstriches tragen sollte. Das Vallejo Model Air „Umtarnfarben“ Farbset beinhaltet diese drei Standardfarbtöne neben den für Auslandseinsätze konzipierten Umtarnfarben (12). Auch hier wurde das in Bronzegrün gehaltene Fahrwerk abgedeckt bevor Teerschwarz und Lederbraun in Anlehnung an den Fleckenplan für diesen Fahrzeugtyp direkt mit der Airbrush aufgetragen wurde (13). Eine ausgewiesene Besonderheit sind hier die verwendeten Diehl-Ketten mit ihren Schnee-und Eisgreifern (14-15). So ausgestattet, ließe sich auch eine Variante in Wintertarnung darstellen.
10
Der Anstrich erfolgt in zwei Abschnitten. Zuerst Laufwerk und Kettenstränge in dunkelgrau-schwarz und hiernach die Oberwanne komplett in Gelboliv, RAL 6014 neue Art
11
Eine selbstgefertigte Halterung mit zwei Klebepads/-streifen fixiert das Modell standfest und ideal zum Lackieren und Bearbeiten, egal ob mit Spraydose oder Airbrush
12
Im Farbset „Umtarnfarben“ von Vallejo sind auch die drei Flecktarnfarben Bronzegrün, Lederbraun und Teerschwarz enthalten
13
Die Farbgebung erfolgte per Airbrush und in Anlehnung an diverse Fotos aus der Literatur bzw Fleckenplan nach Bauanleitung
14
Der rote Kreis verweist auf Eis-/Schneegreifer auf der Kette, die in Abständen von 8 Gliedern mal rechts, mal links eingefügt wurden
15
Der aus exquisitem 3D Druck gefertigte Kettensatz von „Prototypen und Modellbau Ackens“ (P.M.A.) beinhaltet neben Kettenglieder mit abgewinkelten Endverbinder auch jene mit den Eisgreifern
Kennzeichnung
Für die Kennzeichnung als Kanonenjagdpanzer wurden die Markierungen der 5. Kompanie des Panzergrenadierlehrbatallion 21 (PzGrenLBtl) aus den frühen 70er Jahre in Hannover ausgewählt (16-20), das nach mehreren Umbenennungen und Ausstattungen als PzGrenBtl 332 im Jahr 2006 aufgelöst wurde. Hingegen hatte der in der Mörserkompanie des PzGrenBtl 32 dienende Beobachtungspanzer noch länger Dienst verrichtet, wobei das Bataillon in 1997 von Nienburg nach Wesendorf verlegte und 2003 aufgelöst wurde (21-22). Alle Decals lassen sich bestens verarbeiten und auf eine glänzende Klarlackschicht aufbringen, die hiernach noch einen zweiten Schutzanstrich mit glänzendem Klarlack erhält. Damit sind alle Decals ohne einen silbernden Effekt aufgebracht, der hiernach erst abschließend einen Mattlacküberzug erhält.
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Das Modell wird erst von der Halterung gelöst, wenn auch das letzte Decal aufgebracht und die Schutzlackierung, zuerst Klar- dann Mattlack, durchgetrocknet sind
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Das Modell wird erst von der Halterung gelöst, wenn auch das letzte Decal aufgebracht und die Schutzlackierung, zuerst Klar- dann Mattlack, durchgetrocknet sind
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Das Modell wird erst von der Halterung gelöst, wenn auch das letzte Decal aufgebracht und die Schutzlackierung, zuerst Klar- dann Mattlack, durchgetrocknet sind
Fazit
Das Werk hat in Kooperation mit Amusing Hobby einen Bausatz der Spitzenklasse sowohl für Anfänger und Profis geschaffen (23), der nunmehr auch in der Ausführung als Raketen-Jagdpanzer Jaguar 1 bereitsteht (24).
Historischer Kasten
Der Jagdpanzer Kanone 90mm gehört zu einer Fahrzeugfamilie, die Ende der fünfziger Jahre für die Bundeswehr entwickelt wurde. Nach Prototypenbau und Abschluss Entwurf wurde 1965 mit der Serienproduktion begonnen und diese 1967 abgeschlossen. Es wurden jeweils 375 Stück bei Henschel und bei Hanomag gebaut. Der Kanonenjagdpanzer, kurz KaJaPa, wie er auch genannt wurde, ersetzte die aus US-Produktion stammenden Kampfpanzer, wie M41 u.a., bei den Panzerjägerverbänden. Die Hauptaufgabe des KaJaPa war es, gegnerische Panzer zu jagen und sich dabei auf seine niedrige Silhouette und hohen Straßen- und Geländegeschwindigkeit, vor- und rückwärts, zu verlassen. Die 90mm Kanone ist leicht rechtsversetzt im Bug gelagert und kann um 15° nach beiden Seiten geschwenkt werden. Über der Hauptwaffe wurde ein IR-Zielscheinwerfer montiert, der der Bewegung der Kanone folgt. Da sich die Bewaffnung gegen die sowjetischen Kampfpanzer des Warschauer Paktes letztlich als zu schwach erwies, wurde ein Teil der Kanonenjagdpanzer zu Raketenjagdpanzern und weitere zu Beobachtungspanzern umgebaut. Hierbei blieb die Blende erhalten, lediglich das 90mm Geschütz entfiel und die Beobachtungspanzer erhielten ein Zielortungsgerät (TZG-90), welches der Artillerie zur Zielortung diente. Beobachtungspanzer blieben bis nach der Jahrtausendwende im Truppeneinsatz. Der KaJaPa war die erste deutsche Selbstfahrlafette, die nach dem Zweiten Weltkrieg gebaut wurde und an das Jagdpanzer-Design der EDW erinnert.
Auf einen Blick
Hersteller: Das Werk
Kit: Kanonenjagdpanzer / Beobachter
Maßstab 1:35
Preis ca. 45,- €
Wesentliche Farben: Tamiya Grundier-Spray hellgrau, Tamiya Spray Clear TS13 und Flat Clear TS-80, Vallejo Model Air „Umtarnfarben“ Set mit RAL 6031 (Bronzegrün AV 71250), RAL 8027 (Lederbraun AV 71249) und RAL 9021 (Teerschwarz AV 71251), sowie AK Real Colors RAL 6014 „Gelboliv-spät“ (RC087)
Bauzeit: ca. 36 h
Schwierigkeitsgrad: leicht
Literaturempfehlung
„Kanonen/Raketen-Jagdpanzer der Bundeswehr“, Verfasser: Peter Blume, erschienen bei: Tankograd Publ., Tankograd- Militärfahrzeug-Spezial No..: 5016
„Panzerjäger der Bundeswehr“, Verfasser: W. Schneider & L. Ukerwitz, erschienen bei Podzun-Pallas-Verlag, Waffen-Arsenal Band 124 (mod. Antiquariat)
Autor
Von Lothar Limprecht
Fotos, sofern nicht anders angegeben: Lothar Limprecht